Plakette soll Gewässerverschmutzungen verhindern

Veröffentlicht am 08. Juli 2020

Falsch entsorgte Abwässer und achtlos weggeschüttete Flüssigkeiten sorgen immer wieder für Verschmutzungen von Gewässern und gefährden Lebewesen. Land und Gemeinden machen darauf aufmerksam, dass rund ein Drittel aller Strassenschächte und Hofsammler nicht in die Kläranlage, sondern direkt in ein Gewässer führt.

Das Amt für Umwelt lanciert gemeinsam mit dem Amt für Bau und Infrastruktur und den elf Gemeinden eine Präventionskampagne zur fachgerechten Entsorgung von verschmutztem Wasser. «Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass alle Ablaufschächte in die Abwasserreinigungsanlage (ARA) münden», sagt Elija Kind vom Amt für Umwelt. Dem ist aber nicht so: Während zwei Drittel aller Ablaufschächte tatsächlich in die ARA führen, fliesst ein Drittel in natürliche Gewässer wie Flüsse oder Bäche.

Dieser Irrglaube führt dazu, dass sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen immer wieder wassergefährdende Stoffe und Flüssigkeiten im nächst gelegenen Ablaufschacht entsorgen – mit teils dramatischen Folgen für die Umwelt. «So gelangten schon diverse chemische Stoffe in Gewässer wie zum Beispiel Abwasser aus der Autowäsche, Farben und Lacke aus dem Auswaschen von Kübeln, Pestizide aus dem Auswaschen von Spritztanks, Reinigungswasser von Milchtankfahrzeugen, Löschschaum, Zigarettenstummel und vieles mehr», sagt Elija Kind. In schwerwiegenden Fällen kann diese falsche Entsorgung zu Fischsterben in Gewässern oder zu einer Verunreinigung des Trinkwassers führen.

Eine Plakette mit der Aufschrift «Kein Schmutzwasser ins Gewässer» soll künftig die Gewässer vor der Einleitung von Schmutzwasser bewahren. Die Plaketten sind vom Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) entwickelt worden und bereits seit ein paar Jahren schweizweit im Einsatz. Das Amt für Umwelt hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis zum Sommer 2021 alle öffentlichen Strassenschächte in Liechtenstein, die nicht in die ARA führen, markiert sind. Zuständig für die Umsetzung sind das Amt für Bau und Infrastruktur und die Gemeinden des Landes.

Das Amt für Bau und Infrastruktur wird in den kommenden Monaten die betroffenen Strassenschächte auf den Landstrassen mit der Plakette versehen. Die Plaketten haben einen Durchmesser von 10 Zentimetern und lassen sich relativ einfach auf dem Strassenbelag montieren. «Wir haben im April damit begonnen, die Plaketten entlang der Landstrassen im Unterland anzubringen und werden voraussichtlich bis Sommer 2021 landesweit alle betroffenen Schächte abgedeckt haben», sagt Peter Frick vom Amt für Bau und Infrastruktur. Auf den rund 100 Kilometern Landesstrassen in Liechtenstein sind rund 3'000 Schächte verteilt. Davon führt schätzungsweise jeder dritte Schacht in ein Gewässer und muss mit einer Plakette beschriftet werden.

Auch die Gemeinden des Landes haben sich bereit erklärt, die Ablaufschächte auf dem gemeindeeigenen Strassennetz zu beschriften. Das betrifft eine beträchtliche Fläche: Die Aktion betrifft landesweit geschätzt 2'500 Strassenabläufe. Die Plaketten-Aktion soll sowohl die Bevölkerung als auch Unternehmen und Organisationen für eine sorgsame Entsorgung von Schmutzwasser sensibilisieren. So können sich Anbieter von Spül- oder Saugwagen beim Wiederbefüllen der Schächte oder die Feuerwehren bei Löscheinsätzen oder Unfällen künftig mithilfe der Plaketten daran orientieren, ob ein Abwasserschacht in die ARA führt oder nicht.

 

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