Die Mühle in Eschen

Die Mühle in Eschen

Über dem Eingang der Mühle, einem der geschichtlich interessantesten und wertvollsten Gebäude von Eschen, befindet sich ein Schild mit folgender Gravur: MDCCLXXVIII, die Jahreszahl 1778. Das Gebäude diente ursprünglich als herrschaftlicher Torkel. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging der Weinbau durch Krankheiten an den Reben und durch den Import ausländischer Weine stark zurück, sodass ein Weiterbetrieb des Torkels nicht mehr rentierte.

Eine grössere Anzahl Bauern gründeten eine Mühlegenossenschaft, die den Torkel kauften und im Jahre 1912 darin eine elektrisch betriebene Mühle errichteten. Die nachfolgende Tabelle zeigt den Bedarf an Getreide, bzw. dessen Rückgang in der Nachkriegszeit.

Mahlstatistik der Genossenschaftsmühle Eschen 1935 – 1975

Jahr Mais Weizen Roggen Hafer/Gerste
1935 120'000 20'000 - 8'000
1945 310'000 72'000 17'000 30'000
1955 140'000 30'000 1'000 12'000
1965 85'000 10'000 4'000 25'000
1975 40'000 1'200 7'550 60'000

 

Die Produktion erreichte in der Zeit des 2. Weltkriegs mit über 400 Tonnen einen Höhepunkt. Mit dem Rückgang der Landwirtschaft gingen die Aufträge drastisch zurück, sodass die Mühle in den 70er Jahren aus den roten Zahlen nicht mehr herauskam.

Im Jahre 1980 erwarb die Gemeinde Eschen die Genossenschaftsmühle, hat sie einer gründlichen Innen- und Aussenrenovation unterzogen und die technischen Anlagen erneuert. Die Mühle steht seither unter Denkmalschutz. Nebst dem Erhalt dieses historischen Gebäudes ist somit auch die Weiterführung des Mühlebetriebs gewährleistet. Damit die Mühle auch im Notfall jederzeit einsatzbereit ist, hat die Gemeinde Eschen die Mühle weiterhin unterhalten und gewartet. Die normale Mahlleistung beträgt 150 kg/Std., kann jedoch auf 250 kg/Std. erhöht werden.

In Eschen wurde vor allem der grosskörnige, helle Rheintaler Mais, der sogenannte «Tüargga» verarbeitet. Der «Tüargga-Rebel» stellte bis Mitte des 20. Jahrhunderts das Hauptnahrungsmittel im Rheintal dar.

Beim jährlichen Mahltag im Frühling kann der Weg des Maiskorns die einzelnen Arbeitsschritte des Mahlgangs sowie die Funktionsweise der Mühle verfolgt werden. Die Mitglieder des Rebelbolla Clubs bieten beim Mahltag aber auch bei Führungen und Anlässen, fachlich, wie auch kulinarisch, ihre Unterstützung und Betreuung an.

Vom Maiskorn zum Griess oder Mehl

Der Müller leert die Maiskörner in den Trichter. Die Körner werden mit dem Elevator transportiert, wo eine Grobsortierung stattfindet. Die Körner werden mit der Horizontalschnecke zur Feinsortierung transportiert. Die Körner durchlaufen die Feinsortierung vier Mal. Nun kann der Mahlvorgang gestartet werden. Das grobe Mehl wird nun durch Schläuche und Rohre transportiert. Das Mehl wird immer feiner gemahlen in insgesamt 4 Mahlvorgängen. Die Endprodukte sind Griess und Mehl.

Im Jahr 2004 wurde ein Film über den eigentlichen Mahlvorgang der Doppelwalzenstühle sowie die Arbeit des Müllers, unterbrochen durch historische Einschübe, erstellt. (Link zum Film)

2020 wurde die Funktionsweise der Mahlsteine mittels eines Films erklärt. (Link zum Film)

Rezept «Tüargga-Rebel» nach Unterländer Art

Zutaten

  • 400 g Rebelmehl (Gries)
  • 5 dl Wasser
  • 1 TL Salz
  • 1 EL Butter
  • Bratbutter
  • Butter

Zubereitung

  1. Wasser, Salz und Butter miteinander aufkochen
  2. Anschliessend das Rebelmehl einrühren
  3. Kochen lassen, bis die Masse fest ist
  4. Vom Herd nehmen und mind. 3 Std. quellen lassen
  5. Bratbutter in der Bratpfanne erhitzen
  6. Die Rebelmasse beigeben und bei nicht zu grosser Hitze langsam rösten
  7. Ca. 50 g Butter nach und nach zugeben und weiter «rebeln» bis er krümelig ist

Dauerausstellung zum Thema Ernährung

Im Obergeschoss werden zum Thema «Ernährung» Gerätschaften und Objekte ausgestellt, die früher zum Maisanbau aber auch ganz allgemein zur Ernährung der Menschen dienten.

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